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26 ★ Am Yesss geht's lang - Verwechslungsgefahr durch Muster und innere Programme

Astrid Kaiser • 27. Februar 2025

In dieser kleinen Reihe stelle ich dir vor, warum das innere Ja, als wesentlicher Aspekt von Selbstführung und seelischer Gesundheit so wichtig ist, wenn wir wirklich vorankommen und erfüllt leben wollen.


#Teil 2

In diesem Beitrag geht es darum, warum es so schwer ist, dem Yesss zu folgen.

Dass wir erst lernen müssen, unserem Yesss zu folgen, hat etwas mit unserer Sozialisation - also gesellschaftlich geteilten Denk- und Verhaltensmustern - zu tun.


Folgende Aspekte spielen dabei u.a. eine Rolle:


Um das YESSS zu erkennen bzw. zu spüren, dürfen wir einen guten Zugang zu unseren inneren, nicht-sprachlichen Informationen wie Gefühlen und Körperwahrnehmungen entwickeln.

Das lernen wir praktisch gar nicht. Im Gegenteil: oft lernen wir diese Botschaften zu verbergen oder zu unterdrücken, dass sie minderwertig, irrelevant oder falsch seien. Hier gibt es in unseren Breiten so viel zu tun.


Um dem YESSS vertrauen zu können, dürfen wir uns von kollektiven Glaubensmustern lösen.

Gesellschaftlich unterstützt wird z.B. der Glaube, dass wir nur mit Anstrengung vorankommen, dass es schwer sein muss, um etwas wert zu sein. Wir glorifizieren Erschöpfung, das Wachstum an Schmerz und Krisen sowie das Urteil bzw. die Ideale der anderen. Den Gedanken, dass es einfach sein darf und Freude im Fokus unseres persönlichen Wachstums stehen darf, müssen viele Menschen erst neu lernen.


Um dem YESSS folgen zu können, dürfen wir akzeptieren, dass wir einzigartig sind.

Um - mit guter Absicht - Egozentrik zu vermeiden und soziale Anbindung zu fördern, schießen Erziehung und Sozialisation oft weit übers Ziel hinaus: wir entwickeln eine Hemmung, uns als einzigartig wahr- und wichtig zunehmen. Doch wir alle sind es nun einmal. Das ist keine Auszeichnung, sondern unser aller Aufgabe und Geschenk: wir alle können nur unseren eigenen Weg gehen, mit unseren eigenen inneren Qualitäten. Und das verbindet uns genauso wie unsere Ähnlichkeiten. Unser Yesss! ist immer unser persönliches Richtig. Dafür dürfen wir unsere Angst, uns wichtig zu nehmen, in unserer Eigenheit herauszustechen und damit auch anzuecken, überwinden.

Ohne innere Arbeit prägen Muster, wozu wir Ja und Nein sagen

Dem inneren Ja (und auch dem inneren Nein) nachzuspüren und danach zu handeln ist Teil der inneren Arbeit. Ohne sie wird unser Inneres vor allem von Mustern "kontrolliert". Wir fühlen dann oft im Inneren anders, als wir im Außen handeln. Kein Wunder dass Sinnlosigkeit, Erschöpfung und innere Leere so verbreitet sind. Das kann bewusst und unbewusst ablaufen. Es kann folglich sein, dass wir fest überzeugt sind, dass wir "überzeugt" handeln - und innere Widersprüche nicht mehr "hören". Oder dass wir eben gar nicht mehr spüren, was wir wollen oder brauchen.


Die falschen Jas - wie auch die falschen Neins - sind meistens alte Programme, verankert und verwogen mit unserem biologischen System, mit denen wir Harmonie und Sicherheit herstellen wollen, oder Anstrengung bzw. Unangenehmes vermeiden. Doch sie bringen, wenn überhaupt, nur kurzfristige "Erleichterung". Wenn wir genauer in uns hinein spüren, merken wir, wie schwer die Last dieses "falschen" Handelns (langfristig) eigentlich ist und dass da gar keine Leichtigkeit ist.

Schnell weg...

Das Nein-Sagen wird als Stärke glorifiziert. Als würden wir uns dazu überwinden müssen. Doch oft ist das gar nicht der Fall. Im Gegenteil: Oft sind wir darin viel zu schnell bzw. viel zu einseitig, weil:

  • die Weg-von-Motivation von einem einen Schmerzpunkt ausgeht deshalb lauter und klarer ist als die Hin-zu-Motivation. So drängelt sie sich in den Vordergrund. Und unsere Natur will uns zuerst von Schmerz befreien (und unser Überleben sichern) bevor es ums Entfalten geht. 
  • ein Weg-von ist oft schnell umgesetzt und fühlt sich an wie der "leichtere Weg". Wir wollen Schmerz, Probleme, Störungen "wegmachen".
  • wir aus dem Schmerz heraus eher bereit sind, zu handeln: Das führt sogar dazu, dass wir oft zu lange nicht handeln und warten, bis etwas genug schmerzt. Doch dann sind wir leider oft bereits so geschwächt, dass wir meinen nur noch "weg-von" zu können.


Wir konzentrieren uns viel zu oft darauf, "schnell" den Schmerz zu beseitigen. Nicht aber uns dem zuwenden, was uns gut tut und richtig für uns ist. Doch wenn wir von dem umgeben sein und tun wollen, was uns entspricht, müssen wir unserem Ja folgen.

 

An dieser Stelle sei auch noch einmal daran erinnert, dass ein gutes Nein einem Yesss dient.

  • Das Nein ist ein Stoppschild und schützendes Versteck.
  • Das Yesss ist ein Weg(weiser) und Licht im Dunkeln. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns immer um ein starkes Ja kümmern.

Wenn wir nein sagen, obwohl wir ja meinen...

  • Statt loszugehen und JA zu unseren Visionen, Zielen, Wünschen und Werten zu sagen, halten wir uns zurück.
  • Statt liebevoll, aufgeschlossen und offen für Lösungen gegenüber unseren Liebsten zu sein und JA zur Liebe, zur Freundschaft, zur Verbundenheit zu sagen, erziehen (und bestrafen) wir sie, entziehen uns oder spielen Spielchen.
  • Statt JA zu unserer Meinung, unserem Wissen und Können zu sagen und uns selbst-bewusst einzubringen, halten wir hinterm Berg, verstecken uns oder wollen uns durchsetzen und andere überzeugen.
  • Statt uns ausgelassen zu freuen, zu weinen, stolz zu sein usw., und JA zu unseren Gefühlen zu sagen, drücken wir sie weg, lehnen sie ab, leugnen sie.
  • Statt JA zu dem zu sagen, was wir gern machen, genießen, haben wollen, verzichten wir oder erlauben / gönnen es uns nicht.
  • Statt JA zu unserer inneren Stimme zu sagen, setzen wir auf Vernunft, Ratio und kluge Erklärungen.
  • Statt JA zu unseren Bedürfnissen zu sagen, unterdrücken wir sie und schieben sie auf.
  • Statt aufrichtig unsere Wahrheit zu sagen, und JA zu unseren Fehlern, Ecken, Kanten, Unpässlichkeiten zu sagen, tragen wir "perfekte" Masken.
  • Statt JA zu unserer Einzigartigkeit zu sagen, streben wir nach fremden Idealen.

 

Diese falschen Neins - aka vermiedenen Jas - werden oft als Stärke, Höflichkeit, Disziplin verklärt.


An der Stelle wird noch einmal deutlich, dass wir mit der bloßen Nein-Strategie eben nicht automatisch der Selbstermächtigung dienen. Wir sagen in diesen Momenten also mit einem Nein auch nein zu uns selbst und zum Leben.

Was es so schwer macht das Yesss zu spüren 

Im Coaching üben wir, das Yesss zu spüren und Wege zu erschaffen, es zu leben. Das ist nicht ganz einfach. Wenn es das wäre, würden wir es ja alle einfach so tun. Um besser darin zu werden, dürfen wir zunächst die Herausforderungen kennenlernen:


Verwechslungsgefahr

Unser inneres Yesss! ist nicht zu verwechseln mit dem Ja, das wir sagen, obwohl wir Nein meinen, oder ein Ja zu etwas, von dem wir wissen, dass es uns nicht gut tut (denn dann sagt unser Inneres oft sehr spürbar eigentlich NEIN).

So kommt es, dass wir mit einem "falschen" Ja, auch im Sinne der weg-von-Motivation handeln können: Wir vermeiden mit falschen Jas z.B. Konflikte, aufwendige Verhandlungen, schlechte Stimmung, Ablehnung, die Anstrengung unseren eigenen Weg zu gehen usw.


Auch unser biologisches System funktioniert nach dem Hin-zu / Weg-von Prinzip - aber eben auf Überleben ausgerichtet, nicht auf erfülltes Leben. 

Da Ja des biologischen Systems richtet sich darauf, Ressourcen zu sparen und Sicherheit bewahren oder herzustellen. Es lehnt dadurch unnötige oder übermäßige Anstrengung und Veränderung ab. Unser biologisches System will geschützt, genährt, geschont und gepflegt werden - das ist auch gut so. Wir müssen nur immer wieder gründlich abwägen, ob wir ihm folgen wollen, weil es uns von Entwicklung abhalten und auf falsche Fährten führen kann. Die besondere Herausforderung liegt darin: Es macht sich intensiver bemerkbar als unser höher entwickeltes, seelisches System. Es ist auf sofortige Umsetzung ausgerichtet - es erzeugt dadurch starken Leidensdruck und übertönt gern unseren seelischen Kompass. Es "manipuliert" uns, durch wohlige Gefühle, wenn wir ihm nachgeben (mit dieser Belohnung werden wir dazu gebracht, mehr davon zu tun - mehr Chips, mehr Couch, mehr ...). Es ist aber auch sehr manipulierbar (z.B. durch Werbung und Social Media) und es ist suchtanfällig. 


Wir bekommen gesellschaftlich beigebracht, was richtig und was falsch ist.

Diesen Regelkatalog entwickeln wir selbst weiter, auf der Basis dessen, was wir denken, was richtig und falsch sei. Richtschnur dieser Regeln bleiben jedoch soziale Normen - und damit Anpassung, nicht die individuelle Entfaltung. Diese konditionierten und erlernten Ja und Neins sind klarer - und aufgrund ihres sozialen Fundaments wirken sie legitimer. Sie müssen aber nicht unseren persönlichen Ja entsprechen. Dadurch entstehen innere Konflikte. Wir dürfen lernen, unser persönliches Ja ggf. gegenüber erlernten Jas (die in der Regel auch aus anderen Zeiten stammen) wichtig zu nehmen - und dann ggf. gegen den Strom schwimmen. 


Das Ja ist eine ganzheitliche Information und lässt dadurch Gestaltungs- und Interpretationsspielraum.

Während wir recht konkret benennen können, was wir nicht wollen, fällt es uns schwer konkret zu sagen, was wir wollen. Das liegt daran, dass es, was wir nicht wollen / uns nicht gut tut, zu vermeiden gilt. Wohingegen das seelische Ja eher ein "stimmiger" Seinzustand ist. Das ist im Grunde gut, weil unser Sein nicht auf die eine Sache, den einen Weg festgelegt sind - sondern sich ein Ja auf vielfältige Weise umsetzen und leben lässt. Dadurch, dass es so unkonkret ist, werden wir jedoch verleitet, den konkreten Lösungen anderer Menschen nachzueifern. Doch selten ist das auch unser Ja. 


In uns wohnen zur gleichen Zeit mehrere Jas.

Da wir Menschen komplexe Wesen sind, mit verschieden Lebensbereichen und Entfaltungsmöglichkeiten können wir mehrere Jas spüren, die miteinander in Konkurrenz stehen und Konflikte erzeugen können. Der Gedanke, dass es das allumfassende Richtig gibt (wonach viele vergeblich suchen) ist eine Illusion. Wir dürfen mit unseren Ja verhandeln, sie nacheinander angehen, und manche müssen wir loslassen. 


Unsere Jas können sich mit der Zeit verändern.

Manche Jas sind nicht für die Ewigkeit gemacht, weil wir uns wandeln und weil sich die Welt wandelt. Manche Jas, lösen sich auch auf dem Weg der Umsetzung aus. Wenn wir zum Beispiel einem lange gehegten Traum nachgehen und dabei merken, dass er uns gar nicht so erfüllt wie wir dachten. Doch um das zu verstehen, mussten wir diesem Ja zunächst nachgehen.


Ein Ja kann im Außen ein Nein sein

z.B. eine Trennung bzw. das Beenden einer Partnerschaft, die uns schon lange belastet hat. Das Aufgeben eines Jobs. Das Ablassen von einem Kampf.

Stimmigkeit vor Harmonie

So schnell wie wir uns ins Weg-von flüchten, uns mit falschen Neins, davon abhalten, zu selbst-bewusst zu sein, und mit falschen Jas anpassen - und damit Gewohntes und Harmonie "erzeugen", so schwer tun wir uns - ungeübt - damit, zu spüren, was unser Gut-und-Richtig, unser Ja ist.


Zu einem hohen Preis, denn diese Sicherheit und Harmonie ist meistens nicht nur sehr kurzfristig. Sie tut auch weh. Oft sogar nicht nur uns, sondern auch den Menschen, denen wir damit etwas vormachen.


Darum lohnt es sich, diese Orientierungsmarker hinter uns zu lassen - ganz gleich, ob sie biologisch motiviert sind, oder unserem gesellschaftlichen Training entspringen.


Stattdessen unserem persönlichen Gut-und Richtig zu folgen, führt langfristig auf die uns richtigen Wege und bringt einen Frieden mit sich, der mit "höflicher" Harmonie oder "gewohnter Sicherheit" nicht erzeugt werden kann. Selbst dann, wenn dadurch Konflikte, Reibungen, Spannungen entstehen, es anstrengend oder unbequem wird. Denn getragen von und orientiert an dem, wozu wir JA sagen, kann all das klärend oder wegweisend sein. Anders, als mit Harmonie und Gewohnheit kaschierte Konflikte.


Doch wie können wir nun mehr Kontakt zu unserem Yesss herstellen? Darum geht es im nächsten Beitrag.

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