Wertvoll Wandeln Magazin
by Astrid Kaiser
Still werden und zuhören im Winter
Das Jahresende ist DIE Zeit zum Bilanzieren und Reflektieren. Doch wer zu technisch herangeht, verschenkt das Potenzial dieser besinnlichen Zeit und der Qualität des Winters. Sicher ist es wertvoll, das Jahr bewusst abzuschließen, und sich bewusst auf das neue auszurichten. Doch dabei geht es um mehr als bloß abzuhaken, was wir geschafft haben, was noch offen ist oder um festzulegen, was wir im neuen Jahr angehen und erreichen wollen.
Hier kommt ein Impuls, wie du deine Jahresreflexion ganzheitlicher angehen kannst.
Hier erfährst du mehr über den Jahreskreis als natürlichen Entwicklungsloop.
Der Winter ist im Jahreskreis die Rest & Reset-Phase. Doch anders, als wir uns Neubeginn vorstellen - nämlich voller Tatendrang und Ideen loszupreschen, ist mit "Reset" zunächst ein innerer Neustart gemeint. Dieser innere Neustart braucht den Stillstand im Außen. Und mit Stillstand haben wir in der heutigen Welt ein Problem. Viele denken, es sei das Gegenteil von Führung, Performance und Vorankommen.
Es ist sicher kein Zufall, dass wir diese Jahreszeit zur trubeligsten Zeit des Jahres gemacht haben, in der uns vor Stress und Unruhe die Ohren sausen - obwohl unser Inneres sich nach Ruhe sehnt (weil wir nun einmal natürliche Wesen sind, und die Natur jetzt ruhen will). Das gilt für das Ende des Jahres - aka Projekte abschließen, Versammlungen usw., genauso wie für den Start in das neue Jahr, aka "Jetzt aber Gas geben".
Und genauso sehen Jahresreflexionen aus: Wir bilanzieren das vergehende Jahr rein strategisch - und pflastern sogleich das neue Jahr mit Zielen. Als wäre unser Leben eine Checkliste.
Mein Impuls lautet: So wie wir zunehmend begreifen, dass wir Erholung brauchen, um dauerhaft leisten zu können, so dürfen wir noch lernen, dass Wandel im Innen beginnt - und dafür Zeiten der Einkehr und des äußeren Stillstandes braucht.
Der Winter beginnt im Dezember, dem letzten Monat des Jahres. Der letzte Monat des Jahres vollendet den Kreis - und kreiert einen neuen Anfang. Ein Anfang ohne Knall, ohne Aktion im Außen, ohne Lospreschen: Es ist ein leiser, innerer Anfang, der der Tiefe des Endes entspringt.
Dafür dürfen wir an diesem Endpunkt des Jahres (und des Kreislaufs) ganz still und langsam werden. Die winterliche Rest & Reset Phase ist geprägt davon, die Hände vom Steuer zu nehmen. Das heißt: weniger machen und kontrollieren, mehr sein (lassen) und empfangen. Statt Energie in die Umsetzung von Zielen und Ideen zu geben und zu handeln, nehmen wir uns Zeit zum Verdauen, schaffen wir die Basis für den neuen Anfang, und lassen erwachen, was Neues sein will.
In dieser Qualität dürfen wir bis in den Februar hinein bleiben. Der Frühling steht für den Neubeginn im Außen - das kraftvolle Durchstarten.
Bevor du jetzt kopfschüttelnd aufhörst zu lesen - schon einmal vorweg:
Die Hände vom Steuer zu nehmen, heißt auch, einmal eine Zeitlang weniger Entscheidungen zu treffen.
Wenn wir uns natürlich entwickeln wollen, natürlich wachsen - oder vielleicht sogar eine innere Transformation durchlaufen, brauchen wir diesen stillen, inneren Anfang. Dieser Anfang ist kein kluger Gedanke, keine Entscheidung. Er ist ein sanftes Entstehen. Ein kleines Licht im Dunkeln. Wie ein Samen unter der Erde.
Rein kopflastige Reflexion nach Checkliste ist dafür nicht geeignet. Am Ende des Jahres ist unser Kopf voll. Wir sind voll. So können wir gar nicht gut nachdenken. Unser System will sich erst einmal ent-spannen. Dann will es verdauen - verstoffwechseln, integrieren, ausscheiden. So darf die Fülle an Erfahrungen und an Eindrücken, die wir über das Jahr gesammelt haben, einsinken. Erlebtes darf sich mit unserem Inneren verbinden. Unsere innere Weisheit hilft uns, wenn wir ihr diesen sicheren Raum geben, wesentliche Erkenntnisse daraus zu schöpfen. Und so entsteht neues Wissen, neue Weisheit - die uns Richtung gibt, für das Neue.
Es geht weniger um kluge Reflexion und Auswertung mit dem Kopf. Ganzheitliche Reflexion bezieht unsere gesamte innere Weisheit ein, denkt nicht nur nach. Sie spürt auch. Ruht im Sein. Schöpft (bzw. empfängt) Erkenntnisse, die in Ruhe und Stille auftauchen.
Der innere Anfang möchte das gesamte System deiner inneren Weisheit einbeziehen: Kopf, Herz und Seele. Er möchte vom Nervensystem getragen werden. Das ist die wesentliche Bedingung für echte, nachhaltige Entwicklung und Transformation.
Wo wir weniger MACHEN, entsteht Stille. Und wo wir still sind, können wir zuhören.
Dieses Zuhören ist eine tiefere Art der Reflexion, die weniger im Kopf und mehr mit dem ganzen System stattfindet. Sie will nicht sofort verstehen, um zu handeln - nicht planen, keine Strategien entwickeln. Sie will erst einmal in Ruhe "hören", spüren, erfahren - dem Raum geben, was IST. Das macht sie zu einem empathischen Akt: Denn Empathie ist nicht primär die Fähigkeit, das Gefühlsleben Anderer verstehen oder lesen zu können. Es ist die Bereitschaft, (anderen) WOHLWOLLEND und PRÄSENT zuzuhören, ihnen Raum zu geben, sie sein zu lassen - als ganzer Mensch.
Uns selbst achtsam, einfühlsam und offenherzig zuzuhören, ohne sofort zu antworten, zu entscheiden, zu handeln - ist wesentlich für ganzheitliche Reflexion.
Nicht nur leise. Wirklich still - auch im Handeln. Ein zur Ruhe kommen. Weil unser System erst dann verdauen kann, und erst dann das Geplapper, das uns unserem gestressten System entspringt, leiser wird. Erst dann können wir unsere innere Weisheit wirklich gut hören. Zuerst unsere Wunden und Bedürfnisse, die wir versorgen dürfen. Dann das, was uns ruft, uns erfüllen möchte.
Und sobald wir mit uns verbunden sind, können wir auch der Welt wieder achtsamer lauschen - den Menschen, den Geschehnissen um uns herum. Auch das ist wesentlicher Teil, ganzheitlicher Reflexion.
So tauchen - manchmal erst nach einer Weile des stillen Verdauens - aus unserem Inneren mehr und mehr Ideen, Visionen und authentische Ziele auf, für eine wesensgerechte Ausrichtung im neuen Jahreskreis.
Deine Jahresreflexion besteht aus einem Blick zurück und einen Blick nach vorn. Doch sie entspringt dem Spüren im Hier und Jetzt.
Uns dafür Zeit und Stille zu geben, um uns selbst empathisch zuzuhören ist - auch wenn wir noch nichts MACHEN - bereits ein hochkreativer Akt und wesentlicher Bestandteil ganzheitlicher Entwicklung und Transformation.
Eine rein rationale (kopflastige) und auf das Abchecken und Setzen von Zielen ausgerichtete Jahresreflexion, hemmt deine kreativen und aus deinem Selbst heraus wirkenden Kräfte. Dieses Vorgehen fühlt sich zwar "ordentlich" und "strukturiert" an und erschafft so ein Gefühl der Machbarkeit und Kontrollierbarkeit. Doch es ist der letzte Schritt vor dem ersten. Für wesensgerechte und stabilisierende Ausrichtung dürfen wir unserer inneren Stimme lauschen und ihre Impulse einfangen. Und dabei kann sehr viel Überraschendes und Neues auftauchen - während wir bei der Checklistearbeit eher bereits Bekanntes (und oft gesellschaftlich Konformes) bedenken.
Was unser Inneres uns sendet, ist jedoch stehts mit unserem Wesen verbunden - und somit für uns von Bedeutung. Da geht es erst einmal nicht darum, ob es Teil unserer Listen und Pläne war, oder nicht. Um die Listen uns Pläne dürfen wir uns kümmern, wenn wir uns genug gelauscht haben. Um dieses Wissen einbeziehen zu können. So werden Listen und Pläne wesensgerecht und mit Leben und Bedeutung gefüllt. Das macht einen unfassbaren Unterschied.
Das mag anfangs etwas "wild" und "durcheinander" wirken. Doch unser Inneres vermag es, Bedeutsames, wenn wir es uns bewusst gemacht haben, von selbst auf hilfreiche Weise zu ordnen und zu nutzen. Darauf darfst du vertrauen. Und natürlich lassen sich daraus auch sehr konkrete neue Ziele und Projekt kreieren ;-).
Um das empathische Zuhören (für persönliche Entwicklung und innere Transformation), die ganzheitliche Reflexion, zu lernen und bewusst zu praktizieren, empfehle ich von Herzen die "Raunächte".
Das geht ganz un-esoterisch. Versprochen.
Und für alle, die (auch) etwas klassischer reflektieren möchten:
Klar, Checklisten abzuhaken macht Spaß. Unsere Jahres-Ziele und Vision durchzugehen nach dem, was wir alles geschafft haben, fühlt sich gut an - wenn wir vorangekommen sind. Andernfalls motiviert es vielleicht im neuen Jahr, dranzubleiben oder Ziele und Strategie anzupassen. Dieses Vorgehen ist gut und richtig. Für viele Menschen ist das der beste Weg voranzukommen.
Doch vor diesen technischen Schritten empfehle ich dir, die Sache ganzheitlicher anzugehen. Und dafür darfst du Ziel- und To-Do-Listen oder auch Visions-Visualisierungen für einen Moment beiseitelegen.
Statt orientiert an dem, was du dir vorgenommen hast, Fortschritte "abzugleichen", erinnere dich - sozusagen auf einem leeren Blatt Papier - an dein Jahr. Yesss: Eigentlich starten wir ja mit einem leeren Blatt Papier in ein frisches Jahr. Am Ende eines Jahres ist das Blatt voll - was einst gestaltet werden wollte, ist gestaltet.
Und trotzdem lade ich dich ein, dir ein leeres Blatt zu nehmen (oder mehrere) - und darauf DEIN JAHR festzuhalten, so wie du es siehst - du bringst damit quasi die Geschichte deines Jahres in Form, schreibst sie so, wie du sie sehen möchtest. Es geht dabei nicht um Zensur oder falsches Beschönigen - deine Geschichte darf alles beinhalten: alles Gute, alles Schwere, alles Dazwischen. Erkenntnisse und offene Fragen. Alles. Allerdings: Kuratiert durch die Weisheit des Jahresendes, durch dein Herz und deine Seele - die sehen, was von BEDEUTUNG war und wie es erzählt werden möchte.
Dieser offene und zugleich von Bedeutung geführte Blick nach innen entspricht dem empathischen Zuhören. Es ist dein offenes Ohr für dich selbst. Es bringt dich in Kontakt mit dir und deinem inneren Reichtum. Mit Informationen, die verloren gehen, wenn wir bloß abgleichen.
Dieses Erinnern, Sammeln, Einfangen darf Zeit in Anspruch nehmen. Reflexionen, die du auf diese weise findest, aka auftauchen lässt, sind zudem weniger "Konserven" (also standardisierte Erinnerungen), und oft sogar wertvolle Überraschungen ;-).
Den folgenden drei Reflexionen kannst du an einem Tag oder auch jeweils mit einem oder mehreren Tagen dazwischen nachgehen. Nur die Reihenfolge sollte so bleiben.
Am besten funktioniert diese Art der Reflexion mit etwas Zeit und Ruhe. Wenn du Meditationserfahrung hast, kannst du, um die drei Schritte zu praktizieren, auch gern den aufrechten Sitz einnehmen, die Augen schließen und deine Aufmerksamkeit ganz bewusst nach innen lenken. Lass auftauchen, was dir deine innere Weisheit sendet. Mach dir erst danach Notizen.
1. Erinnerung
Lass dein Jahr wie einen Film vor deinem inneren Auge ablaufen. Beobachte die auftauchenden Szenen so, dass du dich selbst "von außen" sehen kannst.
2. Wirkung
Was von dem, das du in diesem Jahr getan, gespürt, gedacht, erlebt und erfahren hast, wirkt IN DIR nach?
3. Bedeutung
Welche Erlebnisse, Erfahrungen, Handlungen (dein Tun) und Ereignisse (ohne dein Tun) waren für dich persönlich am bedeutsamsten?
Ganzheitliche Jahresreflexion bedeutet, zu verdauen, was wir erlebt haben - und empathisch und mutig nach innen zu lauschen - auf das, was in uns wirkt und von Bedeutung ist. So verbinden wir uns mit uns selbst, im Einklang mit der Welt um uns herum. Es hilft uns, Erfahrungen des vergehenden Jahres wertvoll zu verdauen und zu integrieren. Darin liegen Einladungen und Wegweiser für unsere Entwicklung in Richtung gutes, wesensgerechtes Leben.
Dafür darfst du eine Zeitlang still werden. In diesem stillen Lauschen entzündet sich der Funke des neuen Anfangs.

Wenn du gern mit etwas Begleitung in die ganzheitlich Reflexion eintauchen möchtest, bin ich gern an deiner Seite.
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